|
Wir verzeichnen durchgreifende Veränderungen hinsichtlich der Gestaltung und der Funktion des Fensters. Neben den eigentlichen Eigenschaften des Fensters (Primärnutzen) werden zunehmend differenzierte Zusatzfunktionen - meist anwendungsbezogene und bauphysikalische Lösungen - verlangt. Folgerichtig spricht man heute von Funktionsfenstern. Primärnutzen • Schutzfunktion Regen, Wind und Kälte • Transparenz durchscheinend oder durchsichtig • Tageslichtnutzung • Kommunikationsmittel • Lüftung Zusatznutzen • Wärmeschutz • Umweltschutz • Schallschutz • Sonnenschutz • Objekt- und Personenschutz • Brandschutz • Temporärer Wärme- und Sonnenschutz • Sonnenenergienutzung • Raumbehaglichkeit • Gestaltungsmittel • Elektromagnetische Dämpfung Diese für das Fenster charakteristischen Aufgaben sind durch spezielle, multifunktionale Konstruktionen realisierbar. Anspruchvolle Fenster- und Fassadensysteme verbinden die bauphysikalisch-technischen Anforderungen mit kreativgestalterischer Planungsfreiheit. Derartige Systeme sind eine Herausforderung für Architekt und Fensterbauer. Mit den verschärften Anforderungen an Fenster- und Fassadenelemente werden auch an die Verglasung wesentlich höhere und vielseitigere Ansprüche gestellt. Uberwiegend handelt es sich hierbei um erhöhte Schutzwirkungen, die nur mit modernen Funktions-Isoliergläsern erreicht werden. Ein Multifunktions-Isolierglas vereint in sich mehrere dieser Schutzfunktionen. Bereits im Planungsstadium bekommen Isoliergläser zwangsläufig einen immer höheren Stellenwert, weil die gestellten Aufgaben vom Rahmen und dem Bauanschluss allein nicht gelöst werden können. Wer Fenster und Fassaden ausschreibt, muss daher exakte bauphysikalische Daten zum Bestandteil der Leistungsbeschreibung machen. Multifunktionelle Isoliergläser haben sich unter diesem Gesichtspunkt als unentbehrliche Bestandteile der Außenwand erwiesen. Nach den explosionsartigen Preissteigerungen im Energiebereich 1973 und der weltweiten Energiekrise 1979 wurden in allen Wirtschafts- und Privatbereichen enorme Anstrengungen unternommen, den Verbrauch drastisch zu drosseln. Im Bauwesen wurde die 1. Wärmeschutzverordnung auf Grundlage des Energieeinsparungsgesetzes 1976 eingeführt und mit der novellierten Fassung vom 24. Februar 1982 verschärft. Unter anderem dadurch konnte der Anstieg des Primärenergieverbrauchs in Deutschland Ende der achtziger Jahre gebremst werden. In den 90er Jahren ist eine Stagnation des Energieverbrauchs bei gleichzeitig steigender Wirtschaftsleistung zu verzeichnen. Die ursprünglichen Befürchtungen einer Ressourcenverknappung wichen in den 80er und 90er Jahren zunehmend der Angst vor der drohenden Klimakatastrophe. Durch die Verbrennung pflanzlicher und fossiler Energieträger - Heizöl, Gas, Holz und Kohle - erfolgt ein hoher Ausstoß von Schadstoffen, die die Atmosphäre belasten. Anlässlich der Weltklimakonferenz in Rio, im Juni 1992, hat die Bundesregierung ihre Verpflichtung vom November 1990 bekräftigt, den Ausstoß von Kohlendioxid (C02) bis zum Jahre 2005 um 25 % zu verringern. In Kyoto - 1997 - wurden erstmals definitiv Vorgaben für die Minderung des C02-Ausstoßes festgelegt. Im Oktober 1999 räumte die Bundesregierung ein, dass das ursprüngliche Klimaschutzziel nicht mehr erreichbar ist. Gleichwohl wird an dem in Kyoto festgeschriebenen Ziel festgehalten. Mit der 3. Wärmeschutzverordnung aus dem Jahre 1995 wurde erreicht, dass der Bau und damit der Fenster-/Fassaden- und Glasbereich einen zentralen Beitrag zur C02Minderung geleistet hat: Allein durch die Beheizung unserer Wohnungen und Büros werden in Deutschland 30 % der gesamten Energie verbraucht, bei den privaten Haushaltungen sogar fast 80 %. Alle energiesparenden Maßnahmen im Neubaubereich führen erst einmal zu (wenn auch reduzierten) Zuwächsen von C02-Emmissionen. Eine tatsächliche Verringerung des Kohlendioxidausstoßes ist dagegen nur durch nachträglichen Wärmeschutz im Altbau (z. B. Fensteraustausch) erreichbar. Durch die Festlegung auf den eNiedrigenergiehaus-Standard« in der EnEV 2002 (Energieeinsparverordnung) wird zwar die Bedeutung der Wärmedämmung beim Neubau eindrucksvoll hervorgehoben, das gewaltige C02-Minderungspotenzial im Altbau aber erneut vernachlässigt. Bedenkt man, dass noch heute bei nicht ausreichend isolierten Fenstern, z. B. mit Einfach- oder unbeschichteter Isolierverglasung, bis zu 37% der Gesamtwärmeverluste eines Einzelhauses auf das Konto Fenster gehen, muss an diesem »transparenten Wandöffnungsabschluss« der Hebel angesetzt werden. Hier können mit wirtschaftlich vertretbaren Kosten ein Optimum an Ersparnis erzielt und zugleich ein aktiver Beitrag zum Umweltschutz geleistet werden. Denn jeder eingesparte Liter Heizöl entlastet die Umwelt um 3,0 kg C02, das sind 1500 Liter C02 Die laufende Fortschreibung der Wärmeschutzverordnung seit 1977 hat zu einem tiefgreifenden Wandel im Fenster- und Fassadenbau geführt. Nahezu jedes neu eingebaute Fenster ist heute mit Wärmeschutz-Verglasung versehen. Namhafte Isolierglashersteller verfügen derzeit über eine Produktpalette bis hin zu Uv = 0,5 W/m2K (nach DIN), die eine weitere Optimierung des Fensters ermöglicht. Auch im Rahmenbereich ist der Trend zu deutlich verbesserten Wärmedämmwerten unübersehbar. UF-Werte bis zu 0,6 W/m2K sind derzeit durchaus machbar. Mit zunehmendem Wärmeschutz-Niveau wandelt sich das Fenster Vom "Energieverschwender" zum umweltfreundlichen Energiespender". Dank seiner transparenten Glasfläche ermöglicht das Fenster als einziges Bauteil direkte Sonnenenergiegewinne. |