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Manchmal wird behauptet, Glas weise einige Eigenschaften einer viskosen Flüssigkeit auf, die bei Raumtemperatur fließt, wenn auch sehr langsam. Als Beleg wird angeführt, an alten Glasscheiben ließe sich unten eine Verdickung nachweisen, die durch das Fließen verursacht werde. Es ist unklar, woher dieser Glaube kommt.
Als ein möglicher Ursprung kann die Technik angesehen werden, bei der Glasbläser geschmolzenes Glas durch Rotation zu einer runden, fast flachen und ebenen Scheibe geformt haben. Aufgrund der Zentrifugalkraft waren die Scheiben an den Kanten etwas dicker, und aus Stabilitätsgründen wurden sie nach dem Zurechtschneiden vorzugsweise mit der dickeren Seite nach unten in die Fenster eingesetzt. In der Tat sind vereinzelt Scheiben zu finden, die mit der dickeren Seite oben eingesetzt wurden.
Ob Glas tatsächlich flüssig ist, wurde sehr ausführlich in der Newsgroup alt.folklore.urban diskutiert, und der durch Zitate von Fachleuten unterstützte Konsens war, dass Glas bei Raumtemperatur nicht flüssig ist. Es ist aber elastisch und gibt auf Krafteinwirkung durchaus nach. Außerdem kann es je nach Anwendungsfall (wie bei Laborthermometern) durchaus auf Temperaturen erhitzt werden, bei denen es tatsächlich zu einer unterkühlten Flüssigkeit (s. o.) wird, so dass sich die Genauigkeit des Thermometers nach langer Nutzungsdauer verringert.
Selbst wenn sich Glas unter einer langzeitigen Krafteinwirkung langsam verformen würde, dürfte man es deswegen nicht als flüssig bezeichnen. Die langsame Verformung unter einer konstanten Kraft tritt auch in kristallinen Festkörpern auf und wird dort als Kriechen bezeichnet.
siehe auch: Glasübergang
Belege dafür, dass Glas nicht flüssig ist
- Wenn mittelalterliches Glas wahrnehmbar zerflossen ist, müsste antikes römisches oder ägyptisches Glas proportional stärker zerflossen sein, aber dies wurde nicht beobachtet.
- Wenn Glas so schnell zerfließt, dass nach Jahrhunderten mit bloßem Auge Veränderungen sichtbar sind, dann müssten Änderungen an optischen Teleskoplinsen nach einem Zeitraum von einigen Tagen durch Interferometrie feststellbar sein, aber diese Beobachtung konnte ebenfalls nicht gemacht werden. Es gibt etwa 100 Jahre alte, große optische Teleskope, die heute noch gute Bilder liefern. Würden die Glaslinsen mit der Zeit zerfließen, wären die Teleskope mittlerweile unbrauchbar.
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