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Im Umgang mit einem Glasschneider, vor allem mit dem Diamanten gibt dem beruf des Glasers einen gewissen Nimbus. die verschiedensten Arbeiten aller möglichen Handwerksberufe werden von Bastlern mit stolzer Befriedigung selbst ausgeführt; jedoch nur wenige wagen sich ans Glas. Eine genaue Untersuchung, was beim Glasschnitt passiert, zeigt uns wesentliche Eigenschaften des Glases. Für die Entstehung eines Schnittes ist nicht allein die kleine Rille wichtig, die beim Entlangführen des Glasschneiders entsteht. Würden wir diese Rille nicht mit dem Glasschneider herstellen, sondern hineinschleifen und anschließend versuchen das Glas zu brechen würden wir scheitern. Was der geschliffenen Rille fehlt, was aber der Diamant- oder Stahlradschnitt besitzt, ist die Spannung, die den Bruch fördert. Es stellt sich nun die Frage, wie diese Spannung entsteht. Durch das Entlangführen des Schneidgerätes über die Schnittlinie entsteht ein feiner Spalt im Glas. Gleichzeitig entsteht bei der Verletzung des Glases Glasstaub. Ein Teil dieses Staubes fällt in den Spalt. So kann sich dieser Spalt nicht mehr schließen: Er bleibt durch den Glasstaub aufgekeilt und steht unter Spannung. Diese Spannung ist das wichtigste beim Glasschnitt. Sie reicht sehr tief in das Glas hinein und bewirkt das glatte Durchbrechen des Schnittes, sobald von der Gegenseite her ein geringer Druck erfolgt. Der Schnitt mit dem Stahlrad, vor allem bei dicken Gläsern, gelingt besser, wenn die Schnittlinie vor dem Schnitt mit Schneidöl genäßt wird. Die Glaser sind sich nicht ganz einig woher das kommt. Zunächst fällt einmal auf, das sich der geschmierte Schnitt besser anhört als der trockene Schnitt. Das Schneidöl bindet alle Glassplitterchen und dämpft das (gegenüber dem Diamantschnitt) schärfere Schneidgeräusch des Stahlrades. Möglicherweise fühlt sich der Glaser dadurch veranlaßt mit mehr Druck zu arbeiten, wodurch die Schnittwirkung erhöht wird. Beim Glasschnitt unter Schneidöl kann aber auch das Öl bis in die Tiefe des Spaltes eindringen. Dabei kann unter Umständen auch der Glasstaub viel tiefer in den Schnittspalt eindringen als vergleichsweise beim trockenen Schnitt. Am Schnitt entlang entstehen beiderseits Begleitsprünge. Beim Stahlradschnitt sind sie sehr gut sichtbar und führen zu ganz leise hörbarem Abspringen langer, feiner Glasbändchen. Der eingekeilte Glasstaub bewirkt allmählich weitere feinste Absplitterungen an den oberen Kanten des Schnittspaltes. Durch diese Aussplitterungen geht die Spannung im Spalt natürlich verloren. Man sagt, der Schnitt wird "kalt", er verliert immer mehr Spannung. Das Material baut immer mehr, die durch den Schnitt entstandene Spannung ab. Ein kalter Schnitt bricht schlecht, nach einigen Tagen oder Wochen überhaupt nicht mehr. Auch die Bruchfläche guter und schlechter Schnitte unterscheidet sich durch die Glätte bzw. die Unregelmäßigkeiten der Schneidkanten, der sogenannten Bruchufer.
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